Elf Punkte auf grünen Flügeln – woran man einen Grünhainichener Engel erkennt

Wer einen Engel geerbt oder geschenkt bekommt, weiß oft nicht, von wem er stammt. Bei uns im Laden liegt regelmäßig eine Figur auf dem Tresen mit genau dieser Frage. Die Antwort lässt sich meistens in einer Minute geben, wenn man weiß, wohin man schaut.

Grüne Flügel, elf weiße Punkte

Das auffälligste Merkmal der Grünhainichener Engel® von Wendt & Kühn sind die Flügel: grün, jeder mit weißen Punkten besetzt. Es sind elf Punkte, und deshalb heißt die Figur im Erzgebirge seit jeher Elfpunkteengel. Zählen Sie ruhig nach, das ist der schnellste Test, den es gibt.

Warum es ausgerechnet elf sind, werden wir oft gefragt, und im Umlauf sind mehrere hübsche Erklärungen. Wir geben keine davon weiter: Der Hersteller hat die Zahl nie öffentlich begründet. Was man dazu hört, ist Erzählung, keine Auskunft der Manufaktur.

Die Engel gehen auf Grete Wendt zurück, die sie in den frühen zwanziger Jahren entworfen hat. Wendt & Kühn wurde 1915 von Grete Wendt und Margarete Kühn in Grünhainichen gegründet, und dort wird bis heute gefertigt, inzwischen in dritter Generation.

Gesicht, Holz und Musikantenengel

Die Gesichter werden von Hand bemalt. Das heißt, dass zwei Engel derselben Ausführung nie ganz gleich aussehen: Die Augen sitzen einen Hauch anders, der Mund ist eine Spur breiter. Das ist kein Fehler und kein Grund zur Reklamation, sondern der Grund, warum man sich im Laden manchmal zwischen drei scheinbar identischen Figuren nicht entscheiden kann. Achten Sie auf saubere, ruhige Linien und gleichmäßig gesetzte Wangen; grob oder verwischt gemalte Gesichter sind ein Warnzeichen.

Gearbeitet wird in Lindenholz, Buche und Ahorn. Von den Musikantenengeln sind über achtzig verschiedene entstanden, jeder mit einem anderen Instrument oder einer anderen Haltung. Wer sammelt, sammelt meistens in diese Richtung weiter.

Der Margeritenengel ist ein anderer

Ebenfalls von Wendt & Kühn, aber ausdrücklich kein Grünhainichener Engel: der Margeritenengel, 1925 von Olly Wendt entworfen. Er ist zierlicher gebaut und trägt ein Blütenkränzchen im Haar. Grüne Flügel mit elf Punkten hat er nicht – das ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal, und es funktioniert auch aus zwei Metern Entfernung.

Verwechselt werden beide gern mit den Blumenkindern von 1929. Die tragen jeweils eine andere Blume; das erste war eine Margerite. Auch das sind eigene Figuren, keine Engel.

Firmenzeichen, Karton und Gebrauchtkauf

Nach einer Bodenmarke wird fast immer zuerst gesucht. Verlassen Sie sich nicht allein darauf. Die Kennzeichnung hat sich über die Jahrzehnte verändert, und auf der Standfläche einer kleinen Figur ist wenig Platz. Manches Stück trägt das Firmenzeichen am Boden, bei anderen steckt es auf dem Karton oder auf einem beiliegenden Zettel. Eine fehlende Marke beweist nichts, eine vorhandene ebenso wenig. Verlässlicher ist die Ausführung selbst: Flügelform, Punktezahl, Bemalung, Proportionen.

Wenn Sie gebraucht kaufen, schauen Sie sich in dieser Reihenfolge an:

  • Punkte zählen. Elf, gleichmäßig gesetzt, nicht nachträglich aufgetupft.
  • Gesicht prüfen. Nachgemalte Augen oder Münder erkennt man an zu dicken, glänzenden Linien.
  • Flügel und Sockel. Leimspuren, Abplatzer und Haarrisse mindern den Wert deutlich mehr als Staub.
  • Nachlackiertes stehen lassen. Eine aufgefrischte Figur lässt sich kaum in den Originalzustand zurückbringen.
  • Karton mitnehmen, wenn es ihn noch gibt.

Fragen?

Wenn Sie unsicher sind, bringen Sie die Figur einfach mit. Ein Blick auf Flügel, Gesicht und Boden dauert keine fünf Minuten, und wir sagen Ihnen auch, wenn es kein Wendt & Kühn ist. Erreichbar sind wir unter 03731 212902 oder im Geschäft in der Weingasse 6 in Freiberg.

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